OMAHETI - Objekte der Könner – Materialisierungen handwerklichen Erfahrungswissens zwischen Tradition und Innovation

OMAHETI: Ein transdisziplinäres Forschungs- Dokumentations- und Bildungsprojekt zum handwerklichen immateriellen Kulturerbe.


Handwerksobjekte sind das Resultat von Handwerkskönnen und Wissen. Der Fokus dieses Projektes liegt auf dem Herstellungsprozess und dem damit verbundenen impliziten Wissen und dessen Innovationspotenzial Die Perspektive geht aus von Handwerksobjekten als Zeugnissen des Handwerkskönnens und eruiert das in ihnen verborgene, implizite Wissen. Das Vorhaben fragt insbesondere danach, auf welche Art und Weise altes Handwerkskönnen einschließlich des impliziten Wissens innovative Beiträge leisten kann. Daraus resultierend gibt es im Rahmen des Projekts drei zentrale Fragen:
1) Auf welche Weise und in welchen institutionellen Arrangements wird traditionelles Wissen im Handwerk angeeignet, erhalten und weitergegeben? Wie beurteilen die Akteure die jeweiligen Arrangements, die man pointiert entlang eines Kontinuums von „museal“ bis „berufsausbildend“ charakterisieren kann?
(2) Auf welche Weise und in welchen institutionellen Arrangements kommt es zu Innovationen im Kontext traditionellen Könnens und seiner Objekte?
(3) Bestehen innovative Milieus im Handwerk, die durch entsprechende Dokumentationen von Objekterstellung unterstützt und gefördert werden können? Welche Rolle spielen private und öffentliche Akteure sowie vor allem hybride Akteure zwischen Staat und Privaten? Auf welche Weise fördern bestimmte Institutionen z.B. in der Berufsbildung innovative Milieus?
Im Rahmen des Projektes werden anhand ausgewählter Beispiele Entstehungsweisen, Ausbildungsformate und Tradierungsformen von innovativer handwerklicher Praxis erforscht und dokumentiert. Dabei wird die Rolle von Ausbildungen, ihren Institutionen, von Verbänden, Vereinen, Traditionen (dem „institutionellen Arrangement“) berücksichtigt. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt und verbindet die drei Teildisziplinen Volkswirtschaftslehre, Kulturanthropologie und Wirtschaftspädagogik mit ihren jeweils unterschiedlichen Forschungsmethoden und Aufgaben.


Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht erweitert dieses Vorhaben den Fokus der bisherigen Innovationsforschung. Zwar wurde die Bedeutung von tacit knowledge für Innovationen bereits thematisiert (u.a. Santamaria et al. 2009, Rammer et al. 2009; Jensen et al. 2007) jedoch liegen bis jetzt keine Studien vor, die ihren Fokus auf einen Transfer dieses Erfahrungswissens legen. Das Forschungsvorhaben wird mittels einer Anreiz- und Hemmnisanalyse sowie experimenteller Methodik institutionelle Rahmenbedingungen identifizieren, die die Weitergabe tacit knowledge behindern bzw. fördern. Aus der Perspektive der Berufspädagogik leistet dieses Vorhaben einen entscheidenden Beitrag zur Rolle der Identität im Handwerk sowie zu Fragen der Weitergaben, Entwicklung sowie innovativer Verwendung impliziten Wissens und Könnens.


Das Forschungsprojekt ist partizipativ angelegt, d.h. es handelt sich um ein Forschen mit statt Forschen über Könner. Es gibt daher viele Praxispartner und einen Beirat sowie ein Netzwerk aus Wissenschaftlern, das uns dabei unterstützt, die Begriffe und Theoreme weiter zu diskutieren und Ergebnisse international anschlussfähig zu machen. Zu den nationalen Praxispartnern, die den Forschungsverbund durch regelmäßige Beiratstreffen begleiten und die Relevanz des Vorhabens für die Praxis sichern, zählen die Handwerkskammer München, die Akademie Gestaltung im Handwerk Münster, der Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege e.V. – Rittergut Trebsen, das Freilichtmuseum am Kiekeberg, das Freilichtmuseum Hagen und die Interessengemeinschaft Bauernhaus sowie auch der Bundesinnungsmeister der Flechtwerkgestalter.


Das Forschungsprojekt ist dabei in drei Phasen untergliedert. In der Vorphase werden vier Objekte der Könnerschaft näher untersucht. Daran anschließend wird in der Hauptphase das Können am Beispiel von zwei ausgewählten Objekten untersucht und beschrieben. Die Schlussphase, dient der Ergebnissicherung.
Die Erkenntnisse werden durch Lehrmodule und Filme in anwendungsorientierte Bereiche transferiert, mit denen die Ergebnisse für die handwerkliche Ausbildung fruchtbar gemacht und ggf. auch in andere Bereiche übertragen werden können. Schließlich wird das Projekt auch in innovationspolitische Empfehlungen münden. Weiterhin sind auch Publikationen geplant.

Verbundpartner OMAHETI

Prof. Dr. Kilian Bizer (Verbundkoordinator)
Georg-August-Universität Göttingen - Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät - Professur für Wissenschaftspolitik und Mittelstandsforschung
Tel.: +49 (0)551 39-4602
E-Mail
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Dr. Klaus Müller
Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen e.V.
Tel.: +49 (0)551 39174884
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Internet

Rolf Rehbold
Gesellschaft zur Förderung des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln e.V.
Tel.: +49 (0)221 470-5679
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Weitere Informationen

Laufzeit:

01.03.2015 bis 28.02.2018