MDVindiGes - Mensch-Ding-Verflechtungen indigener Gesellschaften

Objekte materieller Kultur sind Zeugnisse menschlichen Denkens und Handelns. Sammlungen ethnologischer Museen haben zugleich die Aufgabe, das Wissen über die Gesellschaften, aus denen die Objekte einmal kamen, zu systematisieren, zu erweitern und zu vermitteln. Dinge immer wieder neu zum „Sprechen“ zu bringen, stellt für Museen eine wichtige Herausforderung dar. Diese Aufgabe stellt sich das Verbundvorhaben „Mensch-Ding-Verflechtungen indigener Gesellschaften“. Am Beispiel der südamerikanischen Apalai-Wayana und Tiriyó werden Prozesse des objektbasierten Wissenstransfers und kultureller Transformationen erforscht. Anhand von rituellen und alltagsgebräuchlichen Gegenständen sollen Fragen der generationenübergreifenden und interethnischen Weitergabe von Wissen untersucht werden. Dabei werden gleichzeitig Austauschprozesse zwischen indigenen Repräsentanten und Vertretern „westlicher“ Gesellschaften in den Blick genommen.
Mit einem multiperspektivischen Zugang werden im Rahmen des dreijährigen Vorhabens mehr als 2.000 ethnographische Objekte dokumentiert und mit unterschiedlichen Wissensmedien und -kompendien verknüpft, um das Material, die Formen und Designs der Gegenstände sowie ganze Objektspektren, die einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren repräsentieren, zu analysieren.


Das Teilprojekt an der Universität Bonn (http://www.iae.uni-bonn.de/ ) unter der Leitung von Dr. Beatrix Hoffmann-Ihde wird die Objekte auf Feldforschungsaufenthalten im Zusammenhang mit dem aktuellen Spektrum materieller Kultur der Apalai-Wayana und Tiriyó untersuchen und mit Tonaufnahmen mündlicher Überlieferungen verknüpfen. Die Arbeitsgruppe an der Universität Frankfurt a. M. unter der Leitung von Prof. Dr. Vinzenz Hediger (http://www.tfm.uni-frankfurt.de/ ) wird die Objekte mit historischem Film- und Fotomaterial (ca. 1.400 Fotografien, Filme und Filmsequenzen) verbinden. Auch dieses Material soll im Rahmen von Feldaufenthalten erweitert werden. Die Arbeitsgruppe am Linden-Museum Stuttgart (http://www.lindenmuseum.de /) unter der Leitung von Dr. Doris Kurella wird ausgehend von partizipativen Museumskonzepten neue methodische Ansätze entwickeln, um auf partnerschaftlicher Basis indigene Gruppen in die Arbeit mit musealisierten Teilen ihres kulturellen Erbes einzubeziehen.

Die Verbundpartner werden gemeinsam ein internationales Symposium durchführen, um zentrale Forschungsfragen mit Fachkollegen zu diskutieren. Eines der wichtigsten Ergebnisse wird die Schaffung eines Archivs der materiellen Kultur sein, das in enger Zusammenarbeit mit den „Herkunftsgemeinschaften“ als Datenbank aufgebaut und in gemeinsamer Abstimmung online zugänglich gemacht wird. Ein Teil der oralen Traditionen wird transkribiert, übersetzt und mit Kommentaren versehen publiziert. Diese Publikation wird das Bestreben der beteiligten Gruppen unterstützen, Teile ihrer mündlichen Traditionen als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Verbundpartner MDVindiGes

Prof. Dr. Karoline Noack (Verbundkoordinatorin)
Universität Bonn
Abt. für Altamerikanistik, Bonner Altamerika-Sammlung
Tel.: +49 (0)228-734414
Email
Internet


Prof. Dr. Vinzenz Hediger
Universität Frankfurt a.M.
Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Frankfurt a.M.
Tel.: +49(0)69-798-32079
Email
Internet

Dr. Doris Kurella
Lindenmuseum Stuttgart
Referat Lateinamerika / Museumspädagogik
Tel.: +49 (0)711-2022-402
Email
Internet

Weitere Informationen

Laufzeit:

01.04.2015 bis 31.03.2018