BIOFAKTE - Die Sprache der Biofakte: Semantik und Materialität hochtechnologisch kultivierter Pflanzen

Die molekulare Biotechnik hat eine stetig wachsende Zahl von Objekten hervorgebracht, die wie Klon-Schaf und Gen-Tomate eine Sprache sprechen, deren Semantik die traditionelle Unterscheidung von unbelebter Technik und lebender Natur unterläuft. Damit hat sie heftige, zum Teil anhaltende Kontroversen ausgelöst. Die aktuellen Auseinandersetzungen um den Einsatz von Gentechnik im Agrar- und Ernährungssektor sind ein markantes Beispiel.


Die Auffassung, wonach technische Objekte vom Menschen hergestellt werden, lebende Objekte aber aus natürlichen Wachstumsprozessen hervorgehen und beide Objektgruppen klar abzugrenzen sind, hat offenbar ihre wissenschaftstheoretische wie lebensweltliche Gültigkeit verloren. Die Technikphilosophie hat dem Rechnung getragen und für diese hybriden Objekte den Begriff Biofakt (Nicole C. Karafyllis) entwickelt.


Ziel des Forschungsvorhabens ist es, ein theoretisch fundiertes und empirisch gesättigtes Gerüst für die Analyse und das Verständnis von Biofakten als sozio-technischen Objekten zu erarbeiten. Besonderes Gewicht liegt auf den Fragen, wie Objekte als Biofakte zur Sprache gebracht werden, in welchem Verhältnis dabei Materialität und Semantik stehen und welche Bedeutung das für die gesellschaftliche Dimension dieser Objekte hat. Zugleich soll dieses im Entstehen begriffene Gerüst an zentralen Konfliktfeldern des Agrar- und Ernährungssektors erprobt und auf seine Tragfähigkeit hin überprüft werden. Dies soll einerseits zu einer vertieften Reflexion auf Biofakte und ihrer Rolle bei der Konstitution moderner (Techno-)Gesellschaften als auch zu einem besseren Verständnis der gesellschaftlichen Konflikte im Agrar- und Ernährungssektor beitragen.


Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich in diesem Forschungsverbund Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geschichte, Philosophie, Soziologie und dem Industrial Design zusammengeschlossen, die im interdisziplinären Austausch sechs Teilprojekte bearbeiten. Sie sind an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Technischen Universität Braunschweig und der Technischen Universität München angesiedelt.


Das philosophische Teilprojekt analysiert mit Gen‐ und Samenbanken die Bibliotheken, in denen die Genome von Organismen gleichsam als Bücher in der Sprache des Lebens archiviert sind. Die beiden historischen Teilprojekte untersuchen die Technisierung von Organismen im Übergang zu modernen Züchtungstechniken. In den beiden soziologischen Teilprojekten werden exemplarisch kulturelle und rechtliche Probleme entziffert, die sich aus dieser Dynamik ergeben. Und die Aufgabe des Designprojekts ist es, die abstrakte Sprache von Biofakten anhand von Beispielen alltagssprachlich verhandelbar zu machen.

Verbundpartner BIOFAKTE

Dr. Franziska Torma (Verbundkoordinatorin)
Technische Universität München
Professur für Technikgeschichte
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Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler
Technische Universität München
Lehrstuhl für Industrial Design
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Prof. Dr. Bernhard Gill
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie
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Prof. Dr. Nicole C. Karafyllis
Technische Universität Braunschweig
Seminar für Philosophie
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Prof. Dr. Karin Zachmann
Technische Universität München
Professur für Technikgeschichte
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Weitere Informationen

Laufzeit:
01.03.2015 bis 31.08.2017

Verbundhomepage: www.biofakte.de