Portal - Mittelalterliche Figurenportale als Objekte der Transformation

Figurenportale sind das Gesicht des mittelalterlichen Kirchenbaus. Seit der Zeit um 1100 beeindrucken sie ihre Betrachter mit einer bis dahin nicht gekannten Bilderflut. Noch heute faszinieren sie den Besucher unmittelbar, obwohl ihre bildliche Sprache nur schwer zu dechiffrieren ist. Die mittelalterlichen Portale wurden von ihren Zeitgenossen anders wahrgenommen als heute. Ihre Wirkung basierte auf einem grundsätzlich von der Moderne verschiedenen Schaubedürfnis, einer komplexen theologischen Ikonographie und einer darauf abgestimmten sinnlichen Erscheinung der Materialien. Der heutige Betrachter besitzt eine veränderte Seherfahrung, aber auch die Portale selbst haben sich massiv verändert: Sensible Teile wurden zum Schutz in Museen verbracht, am ursprünglichen Standort verbleibt oft eine Mischung aus Original und Kopie. Während man sich bei den Ergänzungen meist um ikonographische Vollständigkeit bemühte, wurde das unmittelbar sinnliche Erleben des Portals über Materialien und Oberflächen kaum thematisiert. Wie wirkt ein Portal, das eines Großteils seiner originalen Substanz beraubt wurde? Wie soll man mit fragmentarisch überlieferten Oberflächen umgehen? In wieweit ist es sinnvoll, neue Kopiertechniken einzusetzen? Wie kann man den Fragmenten im Museum ihren Kontext zurückgeben?

Ausgehend von diesen Fragestellungen, ist es das Ziel des Verbundvorhabens, theoretische und praxisrelevante Potentiale zu entwickeln, wie mittelalterliche Figurenportale als vom Mittelalter bis in die heutige Gesellschaft hinein relevante Objekte in ihrer Materialität, ihren Bedeutungseinschreibungen und -verschiebungen sowie ihren komplexen Wirkungsweisen gedeutet und adäquat präsentiert werden können. Eine Kooperation von Projektpartnern aus geistes- und technikwissenschaftlichen Disziplinen, Museum und Bauhütte wird es in einmaliger Weise ermöglichen, mit unterschiedlichen analytischen und methodischen Kompetenzen Daten systemisch und integriert zu erheben und auszuwerten. Gemeinsam gestaltete, exemplarische wie virtuelle Rekonstruktionen sollen die ursprünglichen historischen Kontexte der untersuchten Figurenportale visualisieren. Ein tragender Aspekt des Projekts ist die Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Denkmalpflege und Ausstellungspraxis von Museen, wo sich viele originale Bestandteile mittelalterlicher Figurenportale befinden, aber auch Gipsabgüsse und Kopien früherer Zustände. Für die originalen Standorte der Portale wird das Verbundprojekt Kriterien entwickeln, wie mit den Leerstellen im mittelalterlichen Befund durch Kopien aus heutigen, innovativen Produktionstechniken umzugehen ist.

Verbundpartner PORTAL

Univ.-Prof. Dr. phil. Stephan Albrecht (Vebundkoordinator)
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Kunstgeschichte, insbes. Mittelalterliche Kunstgeschichte; Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte
Telefon: +49 (0)951 863-2400
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Univ.-Prof. Dr.-Ing. Stefan Breitling
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Professur für Bauforschung und Baugeschichte; Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte
Telefon: +49 (0)951 863-2344
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Univ.-Prof. Dr.-Ing. Rainer Drewello
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Professur für Restaurierungswissenschaften; Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte
Telefon: +49 (0)951 863-2370
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Dombaumeister Michael Hauck M.A.
Dombauhütte Köln, Metropolitankapitel der Hohen Domkirche zu Köln
Telefon: +49 (0)221  17940-300
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Weitere Informationen

Laufzeit:

01.03.2015 bis 28.02.2018