MANUACT - Hands and Objects in Language, Culture, and Technology: Manual Actions at Workplaces between Robotics, Gesture, and Product Design

Warum ist die Rolle der Hand für eine „Sprache der Objekte“ und eine Beschreibung der materiellen Kultur zentral? Kulturelle Objekte werden im Gegensatz zu natürlichen nicht einfach vorgefunden, sondern unterliegen Bearbeitungsprozessen, bei denen die menschliche Hand eine entscheidende Rolle spielt. Objekte und Hände entwickeln sich aneinander, Funktionen der Hand werden durch Werkzeuge erweitert oder in handwerklichen und maschinellen Produktionsprozessen ersetzt. Umgekehrt werden aber auch in der Produktgestaltung – wenn man etwa in neuerer Zeit an die berührungssensitiven Oberflächen von Computern und mobilen Endgeräten denkt – Objekte für den Nutzer gezielt handhabbar gemacht und dabei auf grundlegende Basishandlungen zurückgeführt (z.B. Wischbewegungen bei Touchscreens). Und nicht nur das: Wir gehen darüber hinaus mit Ideen, Begriffen und Sachverhalten um, als seien sie greifbare Entitäten, die sich manipulieren lassen. So können abstrakte Argumente des Gesprächspartners wie ein Objekt weggewischt und aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit entfernt werden. Mit anderen Worten: Unser Denken ist in der materiellen Kultur verankert, zugleich wirkt dieses Denken auf die materielle Kultur und ihre Entwicklung zurück. Die Untersuchung des gemeinsamen Gegenstandsbereichs „Hands and Objects in Language, Culture, and Technology“ erfolgt bei MANUACT aus drei unterschiedlichen Perspektiven: einer linguistisch-semiotischen, einer arbeitswissenschaftlichen und einer künstlerisch-dokumentarischen, die ineinandergreifen.
Es werden drei wesentliche Ziele verfolgt:
1. Ein Ziel ist die Dokumentation und Rekonstruktion der komplexen Zeichenrelationen zwischen Geste, Hand-habung von Objekten und deren Handhabbarmachung unter Einbeziehung der historischen Entwicklung von Gesten. Der Schwerpunkt liegt in den Bereichen der Produkt- und Bedienkon-zeptgestaltung, der industriellen und handwerklichen Fertigungsprozesse von Objekten sowie der sprachlichen und gestischen Beschreibungen der damit verbundenen Bedienkonzepte.
2. Ein weiteres Ziel besteht in der Prüfung der Anwendbarkeit kognitiv-semiotischer Rekonstruktionen für technologische Innovationsprozesse. Betrachten wir beispielsweise die Mensch-Computer-Schnittstelle, dann lässt sich feststellen, dass abstrakte, sehr komplexe Programme handhabbar gemacht und durch Bedienkonzepte, die auf möglichst natürlichen Gesten basieren, auf das Maß menschlichen Handelns komprimiert werden.
3. Ein drittes Ziel besteht in der Rekontextualisierung von Ausstellungsgegenständen im Sächsischen Industriemuseum, indem die ausgestellten Werkzeuge und Maschinen mit den Menschen, die sie bedienen, wieder zusammengeführt werden, und zwar über die Einbettung in künstlerische Installationen und wissenschaftliche Vortragsreihen.

Verbundpartner MANUACT

Prof. Dr. Ellen Fricke (Verbundkoordinatorin)
Technische Universität Chemnitz
Philosophische Fakultät, Institut für Germanistik und Kommunikation
Professur Germanistische Sprachwissenschaft
Tel.: +49 (0)371 531-32895
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Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann
Technische Universität Chemnitz
Fakultät für Maschinenbau, Institut für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme
Professur Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement (kommissarische Leitung)
Tel.: +49 (0)371 531-35208
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Andrea Riedel
Zweckverband Sächsisches Industriemuseum
Tel.: +49 (0)371 3676-140
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Weitere Informationen

Laufzeit:
01.04.2015 - 31.03.2018