LDP - Der Lauf der Dinge oder Privatbesitz? Ein Haus und seine Objekte zwischen Familienleben, Ressourcenwirtschaft und Museum

Das Projekt untersucht das Einfamilienhaus und seine Objekte als symbolische und materielle Schnittstelle von Familienleben, Ressourcenwirtschaft und Museum. Dieser Fokus ermöglicht es, materielle Kultur sowohl hinsichtlich tradierter Verwendungsweisen,als auch in Bezug auf aktuelle Umbrüche im gesellschaftlichen Kontext zu untersuchen. Zentrales Forschungsanliegen ist dabei die Frage nach dem Einfamilienhaus und seinen Objekten als in Zirkulation befindlich. Das Haus und seine Objekte werden damit nicht als statische Artefakte untersucht, sondern konsequent als Dinge im Gebrauch analysiert.
Eine neue Aufmerksamkeit für die mehrfache Verwendung von Dingen ist kulturwissenschaftlichen wie materialwissenschaftlichen Forschungszugängen gemeinsam: In der Kulturanalyse ist die Mehrfachnutzung von Alltagsobjekten eingehend dokumentiert worden. Analytisch ergab sich daraus die Forderung, überkommene Dichotomien (etwa zwischen Ware und Gabe) zu überwinden und andere Formate des Dinggebrauchs zu erforschen. Diese Wieder-, Weiter- und Mehrfachverwendungen ebenso wie Neuanschaffungs- oder Wegwerfhaltungen wiederum existieren nicht als isolierte kulturelle Muster, sondern sind Elemente und Symbole spezifischer Lebensformen. Wenn die Verwendung und Bedeutung von Objekten nicht nur typologisch katalogisiert, sondern mit historischer Tiefe und in aktueller Dynamik untersucht werden sollen, ist eine von konkreten sozialen Formen ausgehende Forschung notwendig; diese Bedingung erfüllt das geplante Forschungsprojekt mit dem Fokus auf das Familienleben in seiner häuslichen Materialisierung.
Unter dem Paradigma der Nachhaltigkeit sind Güter als Rohstoffe technikhistorisch und materialwissenschaftlich neu in den Blick genommen worden.
Daraus ergab sich eine auch auf den privaten Konsum erweiterte Aufmerksamkeit für die Re-Integration
gebrauchter Dinge in den Produktionszyklus. Für die technisch-materielle Entwicklung eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen sind somit Kenntnisse der kulturellen Muster des Dinggebrauchs unerlässlich:
Welche Werthaltungen und Orientierungen führen dazu, dass Gebrauchsgüter als Rohstoffe und Ressourcen wahrgenommen werden, welche stehen dem entgegen? Mit welchen Lebensweisen und sozialen Formen ist der exklusive oder der mehrfache Gebrauch materieller Güter verknüpft? Wenn Abfallwirtschaft zur Ressourcenwirtschaft werden soll, benötigt sie hierzu fokussierte, dicht dokumentierte, eingehende und konkrete Fallstudien.
Aus diesem Grund zielt das Projekt nicht auf die Erarbeitung eines typologischen Katalogs des Laufs der Dinge, sondern will diesen für eine spezifische, politisch, rechtlich, materiell, sozial und kulturell markant konturierte Lebensform – die Familie im Einfamilienhaus und ihre Objekte – erforschen.
Das Einfamilienhaus ist als Privateigentum schlechthin seit der industriellen Moderne einer der zentralen Orte des privaten Konsums. Es wurde als kritische Schnittstelle zwischen politisch-ökonomischen Vorgaben, Raumordnung und familialer Lebensform untersucht, und zwar auch hinsichtlich
seiner Objekte. In den sogenannten Goldenen Jahrzehnten der fordistischen Epoche (1940er bis 1970er Jahre) ist die kleinfamiliale Lebens- und Wohnform im Einfamilienhaus Symbol von Wohlstand und Respektabilität nicht nur für bürgerliche Milieus geworden; in der Bundesrepublik wurde und wird das durch unterschiedliche politische und rechtliche Steuerungsinstrumente unterstützt. Seit den 1990er Jahren, und verstärkt seit zehn Jahren, ist hier ein Wandel zu vermerken.

An dieser Stelle setzt das Projekt an: Zum einen, um überhaupt dicht dokumentierte Analysen zu entwickeln, zum anderen aber auch mit dem Fokus auf einen wissenschaftlichen Beitrag zu einer kultursensiblen Unterstützung und Förderung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse. Dazu trägt auch die Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg bei, in der die Ergebnisse für ein breiteres Publikum aufbereitet werden.

Methodisch verbindet das Projekt kulturanalytische und materialanalytische Herangehensweisen.
Kulturelle Prozesse der Sinngebung und Symbolbildung werden mit ethnographischen Verfahren (insbesondere qualitative Interviews, Hausbegehungen), in historisch vergleichender Perspektive und mit Verfahren der Analyse materieller Kultur untersucht. Die Stofflichkeit der Häuser und ihrer Objekte wird mit materialanalytischen Verfahren erhoben und dokumentiert. Diese unterschiedlichen Zugänge haben für die disziplinären Felder der beteiligten kultur- und materialwissenschaftlichen Partner jeweils einen
spezifisch eigenen Erkenntniswert. Darüber hinaus aber sollen die Befunde nicht lediglich nebeneinander
gestellt werden, sondern durch das kooperative Forschen an denselben Objekten in Kontakt gebracht
werden.
Die Ergebnisse werden in Publikationen in englischer und deutscher Sprache in Zeitschriften, in Monographien (Dissertationen) und auf den Veranstaltungen des Verbundes (Workshop, Konferenz) sowie mit der abschließenden Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg präsentiert.

Verbundpartner LDP

Prof. Dr. Elisabeth Timm (Verbundkoordinatorin)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Tel.: +49 (0)251 – 83 244 00
Email Internet

Dr. des. Anne Caplan (Wissenschaftliche Geschäftsführung)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Tel.: +49 (0)251 – 83 244 03
Email Internet

Christiane Cantauw M.A.
Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Volkskundliche Kommission für Westfalen
Tel.: +49 (0)251 – 244 04
Email Internet

Prof. Dr. Uwe Meiners
Dr. Michael Schimek

Museumsdorf Cloppenburg – Niedersächsisches Freilichtmuseum
Tel.: +49 (0)4471 – 94 84 11
Email Internet

Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme
Fachhochschule Münster
IWARU Institut für Wasser · Ressourcen · Umwelt, Arbeitsgruppe Ressourcen
Tel.: +49 (0)251 – 83 652 64
Email Internet

Weitere Informationen

Laufzeit:
01.04.2015 - 31.03.2018

Internetseite LDP