Cultural Encounters in Intervention Against Violence (CEINAV)

Das multidisziplinäre HERA-Projekt „Cultural Encounters in Intervention Against Violence“ (CEINAV) untersucht Fragen der Ethik, der Gerechtigkeit und der kulturellen Zugehörigkeit im Zusammenhang mit Strategien, um die Grundrechte von Frauen und Kindern und deren Schutz vor Gewalt zu gewährleisten. Vergleichend in vier EU-Ländern – Deutschland, Portugal, Slowenien, Vereinigtes Königreich – werden die Praxis der Intervention vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen beleuchtet und das Aufeinandertreffen kultureller Unterschiede reflektiert. Im Mittelpunkt stehen drei Formen der Gewalt, bei denen die Verantwortung des Staates für Intervention europaweit anerkannt ist: Gewalt in der Partnerschaft, körperliche Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern sowie Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Aus der Perspektive sowohl von Theorie als auch Praxis werden die Schnittstellen und Spannungslinien unter verschiedenen institutionellen und rechtlichen Kulturen und Traditionen in Europa beleuchtet, die eine Verständigung über gemeinsame Mindeststandards oft erschweren.

Prof. Carol Hagemann-White koordiniert das Gesamtprojekt an der Universität Osnabrück und bearbeitet für Deutschland die Bereiche Gewalt in Paarbeziehungen und Frauenhandel; Dr. Thomas Meysen, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. in Heidelberg, koordiniert den juristischen Vergleich und ist für den empirischen Teil im Bereich Kinderschutz verantwortlich.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. In der ersten Forschungsphase werden in Arbeitspapieren die historischen und kulturellen Traditionen der vier Länder in Bezug auf Kolonialgeschichte und Migration zusammengefasst sowie Datenlage und rechtlich-strukturelle Rahmenbedingungen für Intervention aufgearbeitet. In der zweiten Phase werden in Workshops mit Fachkräften die expliziten und impliziten Handlungslogiken und zugrundeliegenden Annahmen beleuchtet, die für eine mögliche Intervention leitend sind. Dabei diskutieren Angehörige verschiedener, an Intervention typisch beteiligter Berufe exemplarische Fallgeschichten miteinander und reflektieren die Gründe für ihr Handeln sowie Dilemmas, mit denen sie sich konfrontiert sehen.

In der dritten Phase ab 2015 werden die Forschungsteams in den vier Ländern gewaltbetroffene Frauen und Jugendliche zu ihren Erfahrungen mit Schutz und Intervention befragen. Danach werden wissenschaftlich-künstlerische Mitarbeiterinnen die Möglichkeit partizipatorischer Kunst erproben, mit der Frage, inwiefern diese ein Mittel ist, denjenigen Gehör zu verschaffen, die in öffentlichen Debatten um ‚gute Praxis’ oft nicht wahrgenommen werden. Als Ergebnis zielt das Projekt auf eine Synthese der Erkenntnisse und auf Wegweiser oder Leitlinien für einen ethisch reflektierten Zugang zu einer kultursensiblen Intervention, die auf Achtsamkeit und Verantwortung beruht.

Die wissenschaftlichen Partner haben alle langjährige Erfahrung in der Kooperation mit der Praxis, daher hat das Projekt in jedem Land assoziierte Partner – insgesamt elf zivilgesellschaftliche Organisationen, die als Vernetzungszentren für die engagierte Unterstützung von Betroffenen und für den Abbau der Gewalt wirken. Sie werden vom Projektbeginn an zu Rate gezogen und nehmen an zentralen Treffen teil und sind somit an der Erkenntnisgewinnung aktiv beteiligt.

Verbundpartner

Prof. Carol Hagemann-White
University of Osnabrück
Germany
E-Mail Website


Assoc. Prof. Vlasta Jalušicˇ
Peace Institute
Slovenia
E-Mail Website


Prof. Liz Kelly
London Metropolitan University
United Kingdom
E-Mail Website


Prof. Maria José Magalhães
University of Porto
Portugal
E-Mail Website


Dr Thomas Meysen
German Institute for Youth Human Services and Family Law
Germany
E-Mail Website



 

Weitere Informationen

Laufzeit: 01.09.2013 - 31.08.2016

Website: CEINAV