Marrying Cultures. Queens Consort and European Identities 1500-1800 (MARRYING CULTURES)

Wenn im Europa der Frühen Neuzeit ein Monarch eine ausländische Braut heiratete, begegneten sich mindestens zwei, wenn nicht mehr Kulturen. Die Braut sprach oft eine andere Sprache als ihre neue Umgebung, war vielleicht nicht in der gleichen Konfession erzogen und in einem völlig anderen Hofzeremoniell sozialisiert worden. Versetzt in eine fremde Residenz und Hofgesellschaft, von der sie selten zurückkehren würde, hatte sie die Wahl, sich entweder die neue Sprache, Glaubensinhalte und Sitten anzueignen oder zum Kristallisationspunkt von Friktionen zu werden, indem sie eine Aura der Fremdheit beibehielt, die Aggressionen und Ablehnung wecken konnte und in manchen Fällen sogar den Verdacht von Verrat und Konspiration nach sich zog. Die bloße Gegenwart der fremden Fürstin am neuen Hof bewirkte schon Veränderungen, denn sie wurde von Hofdamen, ihrer Dienerschaft, oft einem Hofprediger und manchmal von Künstlern, Handwerkern, Musikern und Schauspielern begleitet. Sie führte Bücher, Kunstwerke, Kleider, Juwelen und Möbel mit sich, die sich heute noch in Europas Museen und Bibliotheken befinden. Wenn sie Interesse an der Oper oder am Theater, an Architektur oder Malerei mitbrachte, konnte sie zu Innovationen auf diesem Gebiet in ihrer neuen Heimat beitragen. Durch ihre Korrespondenz blieb die Fürstin mit ihrer Herkunftsdynastie in einem oft intensiven Austausch und konnte auch in die politische Strategie ihrer Verwandten verwickelt werden. Loyalitätskonflikte waren in solchen Konstellationen teilweise unvermeidbar.

Das Projekt „Marrying Cultures“ untersucht die Rolle der fremden Fürstin als Akteurin, Instrument oder Katalysator von Kulturtransfer in Europa zwischen 1500 und 1800. Die Projektgruppe setzt sich aus WissenschaftlerInnen aus Großbritannien, Deutschland, Schweden und Polen zusammen. Die ausgewählten Fallstudien legen kulturelle und dynastische Synergien zwischen Nord- und Mitteleuropa (Dänemark, Schweden, Finnland, Deutschland, England, Polen, Litauen) und Südeuropa (Italien, Spanien, Portugal) dar und hinterfragen moderne Perzeptionen von Zentrum und Peripherie, Nation und Dynastie. Gefragt wird nach den bleibenden kulturellen Leistungen von „fremden“ Fürstinnen und den Gründen für den Erfolg oder das Misslingen ihrer Integration in das heutige nationale kulturelle Gedächtnis.

Das Projekt arbeitet objekt- und sammlungsbezogen sehr eng mit Museums- und Bibliotheksfachleuten zusammen. Das Wolfenbütteler Teilprojekt konzentriert sich auf die Bewegung von Büchern, die durch die Europa weit gespannte dynastische Heiratspolitik ausgelöst wurde. Ausgehend von zwei deutschen Fürstinnen, die nach Schweden und Dänemark heirateten, fragt das Projekt nach den spezifisch weiblichen Sammlungskontexten, in denen sie erzogen wurden, nach den Büchern, die sie bei ihrer Hochzeit mit sich führten, nach der Zusammensetzung ihrer Büchersammlung an ihrem neuen Heimatort und nach der Vererbungspraxis von Büchern. Die in Wolfenbüttel angesiedelte Doktorandin, die an der Hochschule für Musik Theater und Medien in Hannover betreut wird, arbeitet über den durch dynastische Frauen ausgelösten Kulturtransfer zwischen Polen und Deutschland auf dem Gebiet der Musik und hat die Gelegenheit, im letzten Projektjahr ein Konzert zu konzipieren und in Wolfenbüttel zu veranstalten.

Die Webseite „Marrying Cultures“ bietet Informationen für eine interessierte Öffentlichkeit, und die Präsentation von Forschungsergebnissen der Teilprojekte werden sowohl in akademischen Publikationen als auch in Tagungen, Ausstellungen (Warschau 2015), Konzerten (Wolfenbüttel 2016) und für ein breites Publikum gedachten Veranstaltungen (Skarhult 2014) stattfinden.

Erste Tagung an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, 15.-18. Juli 2014: Dynastic Networks as Vehicles for Cultural Transfer: Sources, Methods and Theoretical Approaches.
Zum Tagungsprogramm

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite HAB sowie auf der Projektwebseite an der HAB.

 

Verbundpartner

Prof. Helen Watanabe-O'Kelly, FBA
(Projektleitung)
Faculty of Medieval and Modern Languages
47 Wellington Square
GB-Oxford OX1 2JF
Tel: +44 (0)1865 270475
E-Mail

Dr. Jill Bepler
Herzog August Bibliothek
Lessingplatz 1
38304 Wolfenbüttel
Tel: +49 (0)5331 808205
E-Mail Website

Prof. Dr. Svante Norrhem
Department of History
Lund University
Box 2074, 220 02 Lund
SWEDEN
Tel: +46 (0)462224192
E-Mail Website

PD Dr. Almut Bues
Deutsches Historisches Institut Warschau
Palac Karnickich
Aleje Ujazdowskie 39
PL 00-540 Warszawa
Tel:+48 (0) 225 258314
E-Mail Website

Weitere Informationen

Laufzeit: 30.09.2013 - 29.09.2016

Website:  Marrying Cultures