ISIMAT - Inkarnat und Signifikanz – Das menschliche Abbild in der Tafelmalerei von 200 bis 1250 im Mittelmeerraum

Das Tafelbild ist ein Objekt, das in der europäischen Bildüberlieferung seit der Antike eine zentrale Rolle spielt, da es kontinuierlich für die Selbstdarstellung des Menschen sowie die Formulierung seiner Ideale genutzt worden ist. Dabei ist der mediterrane Raum als Entstehungsort zahlreicher Hochkulturen und Schauplatz von Wissenstransfer und Innovation der Rahmen, den Ursprüngen und Grundlagen der maltechnischen Entwicklung des Tafelbildes nachzugehen. Die Erforschung des Herstellungsprozesses versetzt uns in die Lage, seine Sprache besser zu verstehen, ohne dabei ausschließlich auf schriftliche Interpretationen zurückgreifen zu müssen.   
Die technische Geschichte der Tafelmalerei von der Antike bis zum Mittelalter wird deshalb erstmalig disziplin- und epochenübergreifend untersucht. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre von 200 nach Christus bis um 1250, als sich eine neue Vielfalt an Maltechniken zeigte. Die Reihe der Werke umfasst also Tafelmalereien ab der mittleren Kaiserzeit, hier zum Beispiel die Mumienbildnisse, dann spätantike, früh- und mittelbyzantinische Ikonen sowie Werke der italienischen Tafelmalerei des frühen und hohen Mittelalters.

Bislang wurden von Seiten der Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte lediglich einzelne Objekte  und nur bestimmte Aspekte untersucht. Die Maltechnik spielte dabei so gut wie keine Rolle. Um die Fülle des Materials einzuschränken, begrenzt sich das Projekt auf das Hauptthema der Tafelmalerei: Die Darstellung des Menschen.
Dem Inkarnat, der Farbe der Haut, kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Es ist Kennzeichen der Ethnie und charakterisiert den Menschen in allen Lebensaltern bis in den Tod. Seine künstlerische Darstellung gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der bildenden Kunst, die in den einzelnen Epochen immer wieder anders gelöst wurde. Die Farbübergänge wurden fließend oder schematisch gemalt, die Künstler nutzten opake oder transluzide Schichten, um die Farbwirkung der Haut – wie in der Realität auch – durch teilweise Reflexion von Licht in tieferen Schichten zu erzeugen. Deshalb wurden für das Projekt Tafelbilder aus angrenzenden Epochen ausgewählt, die alle die Verbildlichung des Menschen zum Gegenstand haben, um die Veränderung der Darstellungsmodi und Maltechniken feststellen zu können.
In den Staatlichen Sammlungen in Berlin befindet sich die älteste erhaltene gemalte Darstellung eines Kaisers bzw. der kaiserlichen Familie (Kaiser Septimius Severus). Im Martin von Wagner-Museum in Würzburg befinden sich zwei Mumienporträts, die unterschiedliche Maltechniken aufweisen und noch nicht untersucht sind.

Da sich die ältesten christlichen Tafelbilder im Katharinenkloster auf dem Sinai in Ägypten und in Rom befinden, stehen diese im Zentrum des Projektes. Sie sind die wichtigsten Werke vor der Blüte der Tafelmalerei des Hochmittelalters. Die Zusammenarbeit mit dem Opificio delle Pietre Dure (OPD) in Florenz ermöglicht, den  großen Bestand an Tafelbildern des 12. und 13. Jahrhunderts in deren Zuständigkeitsbereich zu untersuchen und daraus Schlüsse für Kontinuitäten und Brüche von Maltraditionen im Hochmittelalter zu ziehen.
Grundsätzlich soll bei allen Untersuchungen gefragt werden: Welches Menschenbild spricht daraus? Welche geistesgeschichtlichen Hintergründe hat die jeweilige Darstellungsweise? Welches Verhältnis besteht zwischen Maltechnik und Wirkung? Gibt es Hinweise darauf, wann die Technik der Enkaustik im Verlauf des Mittelalters zugunsten der Temperamalerei aufgegeben wurde? Warum änderten sich der maltechnische Aufbau und die Arbeitsweise der Maler? Haben sich die Werkstattstrukturen der Maler verändert? Ist bei der zum Einsatz kommenden Maltechnik ein Technologietransfer aus der Antike erkennbar?
Nur durch das Zusammenwirken wissenschaftlicher Disziplinen wie Klassischer Archäologie, Kunstgeschichte, Restaurierung und Naturwissenschaften können die Zusammenhänge zwischen literarischen und bildlichen Quellen sowie Kunsttechnik verstanden werden.

Verbundpartner ISIMAT

Technische Universität München
Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft (Verbundkoordinator)
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Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
Forschungsstelle Realienkunde
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Doerner Institut
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München 
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Laufzeit: 01.04.2014 bis 31.03.2017