WeSa - Wesersandstein als globales Kulturgut – Innovation in der Bauwirtschaft und deren weltweite Verbreitung in vorindustrieller Zeit (16.-19. Jahrhundert)

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Obernkirchner wie Bentheimer Sandstein, also Sandsteine aus der Kulturlandschaft Weserraum, in die Niederlande, nach Dänemark, England, Polen, Nordamerika oder Ostasien verschifft. So wurden beispielsweise zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert das Königliche Palais in Amsterdam, das Theater und die Frauenkirche in Antwerpen sowie der Sockel der Freiheitsstatue in New York und das Weiße Haus in Washington aus Wesersandstein erbaut. Dieser steht damit für einen interkulturellen Austausch weit über den Weser- und nordwesteuropäischen Raum hinaus.

Insbesondere der Fund des 1629 gesunkenen Handelsschiffes Batavia der niederländischen Verenigde Oostindische Compagnie vor der westaustralischen Küste im Jahr 1976, welches einen vorgefertigten Bausatz eines Portals aus 137 einzelnen Sandsteinen des Weserraumes nach Batavia, dem heutigen Djakarta, transportierte, verweist auf zahlreiche Forschungsdefizite. Ausgehend von diesem Fund will das Forschungsvorhaben Fragen der Präfabrikation von Bauten, weltweitem Transport, Export und Kulturtransfer lange vor der Industrialisierung nachgehen. Für die Untersuchungen materiell-technischer, handels- und betriebswirtschaftlicher sowie kultureller Prozesse werden im geistes- und kulturwissenschaftlichen Bereich unterschiedliche Perspektiven, die bisher gesondert untersucht worden sind, interdisziplinär miteinander verbunden (Kunst-, Architektur- und Wirtschaftsgeschichte). Auf der anderen Seite wird dieser Ansatz durch die Einbeziehung der kontextuellen Informatik und der CAD-basierten Computersimulation der Architekten allererst verwirklicht.

Die Zusammenarbeit der beteiligten Verbundpartner wird mit Hilfe einer virtuellen Forschungsumgebung organisiert werden. Sachlich, methodisch und theoretisch bedeutet dies eine Verbindung von materiellen und immateriellen Daseinswirklichkeiten und somit eine Gesamtschau kulturellen Austausches und wirtschaftlicher Verflechtungen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Insgesamt geht das Vorhaben weit über die reine Visualisierung von Bauwerken hinaus und soll Forschungstools und Forschungsmethoden paradigmatisch entwickeln sowie Impulse für andere Forschungsbereiche geben. Unter Umständen lassen sich im Gefolge des Projektes durch bestimmte Steinprovenienzen und Verarbeitungsmaße und –formen weitere Architekturlandschaften identifizieren.

Die Forschungsergebnisse werden am Ende der Projektlaufzeit mittels einer interaktiven Internetplattform der Öffentlichkeit nachhaltig zur Verfügung gestellt sowie in einer abschließenden Ausstellung zugänglich gemacht.

Verbundpartner WeSa

Prof. Dr. Eva-Maria Seng (Verbundkoordinatorin)
Universität Paderborn
Fakultät für Kulturwissenschaften
Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe
Paderborn
Tel.: +49 5251 60-5488
E-Mail
Internet

 

Prof. Dipl.-Ing. Johann Eisele 
Technische Universität Darmstadt, Fachbereich Architektur
Fachgebiet Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur
Darmstadt
Tel.: +49 6151 16-6601
E-Mail
Internet

Weitere Informationen

Laufzeit:
01.10.2013 bis 30.09.2016

Internetseite WeSa