Kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft fördern

Kulturelle und soziale Vielfalt prägt den Alltag in unserer modernen Gesellschaft. Hervorgerufen wird sie durch räumliche Mobilität, diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die Pluralisierung von kultureller und religiöser Praxis oder Veränderungen von Familienstrukturen und Traditionen. Wissenschaft und Forschung schaffen Voraussetzungen, um den daraus entstehenden Herausforderungen zu begegnen.

Potenziale für Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe erschließen
Wissenschaft und Forschung sehen sich in der Verantwortung, bei der Lösung der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit mitzuwirken. Dabei handelt es sich um Problemfelder, in denen sozioökonomische, politische, demografische und ökologische Entwicklungen in komplexer Weise zusammenwirken. Ein besorgniserregendes Symptom mit enormer gesellschaftlicher Sprengkraft, das seit den 1980er Jahren in nahezu allen industrialisierten Ländern zu beobachten ist, ist eine wachsende sozio-ökonomische Ungleichheit. Daher besteht ein übergreifendes Ziel zukünftiger Förderaktivitäten darin, Potenziale für Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe zu erschließen.

Alle großen gesellschaftlichen Herausforderungen haben eine europäische oder sogar internationale Dimension. Deshalb werden die Förderbekanntmachungen so gestaltet, dass sie den Anschluss an das Forschungsrahmenprogramm der EU-Kommission, „Horizont 2020“, ermöglichen.

Mit der Fördermaßnahme „Finanzsystem und Gesellschaft. Bedeutungs- und Funktionswandel des Finanzsystems“ wird nach Ursachen und Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie nach (wünschenswerten) Funktionen des Finanzsystems im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang gefragt. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass sich Bedeutung und Funktion des Finanzsektors für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in den Jahrzehnten vor der Finanzkrise grundlegend verändert haben. Viele der Strukturen, die heute als Ursache der Krise angesehen werden, dienten ursprünglich zur Lösung damaliger Probleme. Im Lauf des Jahres 2015 haben 8 Projekte (darunter zwei Forschungsverbünde) die Arbeit aufgenommen. Übergreifend verfolgen die Projekte das Ziel,  ein besseres Verständnis der genannten Prozesse zu erarbeiten und Handlungsansätze für relevante Stakeholder abzuleiten. Ein ergänzendes Begleitvorhaben wird in Kürze an den Start gehen und die Kommunikation zwischen den Projekten sowie mit der erweiterten Forschungs-Communitiy sowie der interessierten Fachöffentlichkeit unterstützen.

Die Projekte haben ihre Arbeiten am 24. und 25. November 2015 im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung im Universitätsclub Bonn vorgestellt. Eine Übersicht zu den Projekten finden Sie hier.

Ab Januar 2014 fördert das BMBF in einer deutsch-griechischen Kooperation zudem drei bilaterale Forschungsprojekte aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich mit den sozio-ökonomischen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise in beiden Ländern beschäftigen. Die Projekte erarbeiten deutsch-griechische Vergleichsstudien mit Fallbeispielen aus den Bereichen Kommunalverwaltungen und Zivilgesellschaft sowie zur Rolle der Medien. Beteiligt sind das Kulturwissenschaftliche Institut Essen, die Universität Bonn, die Technische Universität Darmstadt sowie die Freie Universität Berlin.

Wie können wir angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen ein gutes Leben und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft nachhaltig sichern? Wie verändern größer werdende soziale Vielfalt, neue Formen demokratischer Teilhabe oder die Ökonomisierung von Lebensbereichen unser Zusammenleben? Diese und andere Fragen können ohne gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Expertise nicht schlüssig beantwortet werden. Der Projektträger im DLR betreut dazu den BMBF-Agendaprozess „Zukunft sichern und gestalten – Forschung zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen“. Mehr zum Agendaprozess und den Modalitäten der Teilnahme unter: www.Agenda-Zukunft-gestalten.de

Theologie, Religionen
Im Januar 2010 veröffentlichte der Wissenschaftsrat die „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“. Die wachsende Pluralität religiöser Zugehörigkeiten in Deutschland und der steigende Bedarf an wissenschaftlicher Expertise über Religion stellen danach neue Anforderungen an Organisation und Leistungsfähigkeit der damit befassten Wissenschaften. Der Wissenschaftsrat empfahl, die dazu notwendigen strukturellen Anpassungen insbesondere der christlichen Theologien und den Ausbau der übrigen Fächer innerhalb des staatlichen Hochschulsystems durchzuführen.

Auf dieser Grundlage flankiert das BMBF seit 2011 den Aufbau von Zentren für Islamische Theologie an Universitäten im Rahmen der Projektförderung für zunächst fünf Jahre. Die Zentren sollen international anerkannte Orte islamisch-theologischer Forschung werden, wissenschaftlichen Nachwuchs in der Islam-Forschung hervorbringen sowie islamische Religionslehrerinnen und -lehrer ausbilden. Zudem ermöglichen sie ein wissenschaftlich fundiertes Studium von Religionsgelehrten im staatlichen Hochschulsystem. Hierfür fördert das BMBF Forschungs- und Gastprofessuren sowie theologische und interdisziplinäre Nachwuchsgruppen. Die Unterstützung ist an hohe Voraussetzungen geknüpft: ein eigenständiges, dauerhaftes finanzielles Engagement der Länder bzw. der Universitäten und ein geeignetes Fächerspektrum an den beteiligten Universitäten, etwa mit christlichen Theologien, Islam- oder Religionswissenschaft. Vier Zentren sind entstanden: in Tübingen, in Münster/Osnabrück, in Frankfurt/Main (verbunden mit der Universität Gießen) und in Erlangen/Nürnberg. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des BMBF.

Seit 2012 wird der Aufbau des Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg  gefördert. Dort werden Forschungsaktivitäten mit Studium und Lehre gebündelt. Zugleich werden durch Gastprofessuren und Fellows der internationale Austausch verstärkt und Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs geschaffen. Das BMBF fördert den Aufbau der Einrichtung mit 7,8 Mio € für zunächst fünf Jahre. Das Zentrum knüpft an die große Tradition jüdischer Gelehrsamkeit insbesondere im Berliner Raum an. Hier ist das gesamte Spektrum der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Judentum vertreten: von historischen und kulturwissenschaftlichen Ansätzen (vor allem an der Humboldt-Universität Berlin) über philologisch-kritische und dialogische (vor allem an der Freien Universität Berlin), religionshistorische und theologisch-philosophische Zugänge (vor allem an der Universität Potsdam), über die Holocaust- und Antisemitismus-Forschung an der Technischen Universität Berlin und die Erforschung des Zionismus am Moses Mendelssohn Zentrum bis zur akademischen Ausbildung von Rabbinern und Kantoren am Abraham Geiger Kolleg.

 

Dokumente

Ansprechpartner

Theologie und Religion:
Dr. Rolf Geserick

0228 3821-1599
0228 3821-1500
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Theologie und Religion:
Dr. Maria Böhme

0228 3821-1925
0228 3821-1500
E-Mail

Agendaprozess:
Dr. Stephanie Becker

0228 3821-1557
0228 3821-1500
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Finanzsystem und Gesellschaft:
Dr. Monika Wächter

0228 3821-1597
0228 3821-1500
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Dr. Cedric Janowicz

0228 3821-1769
0228 3821-1500
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